Gefahren: Honda CB 650 F

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Smarter Alleskönner CB650F: fesch, flink und leicht zu händeln, auch für Einsteiger.

Ich erinnere mich an den Besitzer einer Suzuki GSX 1400, der Hondas CB 1300 stets »Hubraumzwerg« titulierte. Was also sagt man zur CB 650 F, die zufällig nur halb soviel Kubik aufweist wie meine 13? Mir ist nix eingefallen dazu, außer dass 650er früher einmal als richtig schwere Kaliber galten, ob von Triumph oder Yamaha, und man beim Ankicken schon alles richtig machen und gut timen musste, um nicht zu verhungern. Gelöst hat diese Problematik erst die Erfindung von Elektrostartern; eher natürliche Hubraum-Grenzen wurden so nach oben verschoben, immer weiter und weiter.

Die CB 650 F, ein Allrounder mit dezent-sportlicher Naked-Bike-Optik, ist Hondas kleinster Vierzylinder. Damit wurde 2014 die CB 600 F Hornet abgelöst, die Maschine fährt also inzwischen ins dritte Modelljahr. Das Konzept stellt hohen Gebrauchswert und ansprechendes Design in den Vordergrund, dazu stimmt die Kosten-Nutzung-Rechnung.

Das Vierzylinderherz glänzt mit raumsparender Architektur. Die Zylinderbank ist um 30 Grad nach vorne geneigt. Kupplung, E-Starter und 6-Gang-Schaltbox sind hoch hinter die Kurbelwelle gerückt. Im DOHC-Zylinderkopf werden die insgesamt 16 Ventile über Tassenstößel direkt betätigt. Schön zu sehen die Fallstrom-Anordnung auf der Einlass-Seite.

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Quirliger Vierzylinder mit raumsparender Architektur.

Der Motor wirkt clean und aufgeräumt. Der Kühlkreislauf wird weitgehend über innere Kanäle bewerkstelligt, damit außen keine Kühlschläuche stören. Die schrägen Krümmer können als Hommage an die CB 400 Four von 1974 verstanden werden, die die erste Honda mit einem 4-in-1-Auspuff war. Die Anordnung der Expansionskammern unter dem Motor entspricht dafür modernem Ingenieursdenken – Stichwort Zentralisierung der Massen.

 

Nach dem Anstarten fällt der Leerlauf der CB 650 F eher rauh aus; erst im Fahrbetrieb überzeugen Laufruhe und Drehfreude des Four, der (67 mm Bohrung/46 mm Hub) kurzhubig ausgelegt ist. Die Spitzenleistung beträgt 87 PS bei 11.000 Touren, das max. Drehmoment wird mit 63 Nm bei 8.000/min erreicht.

Die Sitzposition ist Naked-Bike-typisch aufrecht entspannt. Das passt gut, ebenso die Positionierung der Fußrasten. Auch der Knieschluss stimmt. Die CB baut nicht nur kurz und kompakt – fast stupsnasig, wenn man den Ausblick über die Instrumente nach vorne beschreibt – sondern auch im Sitzbereich sehr schlank. Das merkt man, wenn man Ampelstopp den Fuß einen Tick zu weit nach vorne auf den Boden stellt und mit dem rechten Knie den Kupplungsdeckel touchiert, obwohl der wirklich nicht  breit baut.

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Italienisch verspielt: Vorne Schwarz, hinten Weiss.

Der Motor lebt grundsätzlich von Drehzahlen, bietet aber kultiviert-sportlichen Esprit, lässt sich von Ampeln weg zahm mit wenig Gas anfahren und baut dann mit steigender Tourenzahl immer mehr Kraft auf. Richtig Leben in die Bude kommt in der zweiten Drehzahlhälfte. Da das Triebwerk mühelos hoch dreht, macht es Spaß, am Quirl zu drehen und die Drehfreude auszukosten.

Das Getriebe schaltet sich gut, das Einlegen des 1. Gangs verläuft jedoch geräuschvoll. Die Kupplung lässt sich mit wenig Handkraft bedienen. Das Einrücken erfolgt auf eher kurzem Weg, was bei der Betätigung stets nach Präzision der linken Hand in Verbindung mit exakt dosiertem Gasgeben beim Anfahren verlangt.

 

Der Rahmenverbund aus Profilen und Rohren spannt sich wie eine Brücke über den Motor. Nicht Gussteile dienen zur Schwingenaufnahme, sondern geschmiedeter Stahl; weil die verdichtete Materialstruktur besonders geeignet ist, eingeleitete Kräfte aufzunehmen. Der Stoßdämpfer ist direkt an der Aluminiumguss-Schwinge angelenkt. Die Teleskopgabel verfügt über 41 mm Standrohr-Ø. Die Gussfelgen sind mit auffallend zierlichen Doppelspeichen gefertigt.

Typische Naked-Bike-Linienführung und ‘Mass Forward-Design ’ verhelfen der CB650F zu geschmeidig-sehnigem Auftritt, wie bei einem Raubtier kurz dem Sprung. Den V-förmigen Frontscheinwerfer zieren an den oberen Ecken LED-Positionslichter, die die Silhouette für den entgegenkommenden Verkehr vergrößern. Auch das Rücklicht zieren LED-Leuchtmittel.

Die CB650F läuft im Honda Werk Atessa vom Produktionsband, sicher auch mit ein Grund für die italienisch verspielte Farbgestaltung. Weisser Rahmen und weisse Hinterradfelge sind schick, erfordern aber natürlich, dass man ab und zu mal drüberputzt. Wem fashionable Optik weniger am Herzen liegt: Es gibt die CB650F auch hinten und vorne mit schwarzen Felgen: entweder mit rotem Rahmen und mattschwarzen Lackteilen, oder in weissem Kleid mit dann schwarzem Rahmen.

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Beauty-Ritual: Zwischendurch mal schnell drüberputzen.

Im Cockpit informieren links digitaler Tacho und Drehzahlmesser, rechts werden Infos zu Tankinhalt, Benzinverbrauch und Uhrzeit geboten, dazu Kontrollleuchten für Getriebe-Leerlauf, Motoröl und die Funktionen von Lichtmaschine und ABS. Eine Warnblinkanlage gehört zur Serienausstattung, eine Ganganzeige leider nicht.

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Cockpit und Armaturen okay, Lenker fade.

 

Ergonomisch passt der geschwungene Lenker gut, hingegen fällt die Anmutung des Bauteils arg schlicht aus, was schade ist, weil man das ja andauernd vor Augen hat. Wäre die CB mir, würde ich einen schöneren Lenker montieren, schwarz verchromt oder eloxiert vielleicht; und bei der Umbau-Gelegenheit auch gleich andere Griffgummis spendieren, irgendwas Griffsympathisches von Pro-Grip oder LSL. Die Serien-Dinger sind haptisch unschön – billig halt.

 

Die Gabel bietet keine Verstellmöglichkeiten, die Hinterhand immerhin 7 Stufen zur Federvorspannung. Die Abstimmung hat Honda gut getroffen, der Komfortlevel passt. Die CBR650F läuft sauber geradeaus und lässt sich auch auf kurvigen Landstraßen leichtfüßig und sicher um die Ecken lenken. Das Handling der vollgetankt 208 schweren Honda ist einwandfrei, wobei der Tank 17,3 Liter fasst. Die Bremsen mit Zweikolbenzangen und ABS funktionieren gut, nur manchmal wünscht man sich etwas weniger aufzuwendende Handkraft für die Doppelscheibe im Vorderrad.

 

Insgesamt ist das Fahren dynamisch quirlig, aber auf angenehme Weise – jedoch nie anstrengend, umkomfortabel oder gar stressig. Die CB650F ist ein smarter Alleskönner für alle Tage, nix zum Protzen, sondern fesch, flink und leicht zu händeln, auch für Einsteiger; trotzdem unterhaltsam auch für erfahrene Windgesichter. Wer unbedingt Windschutz wünscht, greift zur baugleichen, jedoch halbverkleideten CBR650F, die mit auf den Gabelrohren angeschellten Lenkerstummeln dazu eine etwas sportliche Sitzposition bietet.

Halbe Portion oder so würde ich nie zur CB 650 F sagen. Feines Teil passt besser – sieht gut aus und fährt schön.

650er meets 13: Salat-Ausflug mit Begleitschutz.

Fotos: Buenos Dias

Technische Daten Honda CB 650 F

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, DOHC, 4 Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Zahnkette, Hubraum 649 ccm, Bohrung x Hub: 67 mm x 46 mm, Verdichtung: 11,4 zu 1, max. Leistung: 87 PS (64 kW) 11.000/min, max. Drehmoment 63 Nm bei 8.000/min, PGM-FI-Kraftstoffeinspritzung, G-Kat, Elektrostarter, 6-Gang-Getriebe, Mehrscheibenkupplung im Ölbad, O-Ring-Kette.

Rahmen: Brückenrahmen aus Stahl, 41 mm Telegabel, Aluminiumschwinge mit direkt angelenktem Monostoßdämpfer, Federweg v./h 125/43,5 mm. Aluminium-Gussfelgen, Dunlop Sportmax 222 Bereifung, Grösse vorne 120/70-17, hinten 180/55-17, Doppelscheibenbremse 320 mm Ø, und Zweikolben-Bremszangen, hinten 240 mm Ø Scheibenbremse und Einkolben-Bremszange, ABS. Gewicht fahrfertig vollgetankt 208 kg, Sitzhöhe 810 mm, Radstand 1.450 mm, Tankinhalt 17,3 Liter.

Ausstattung: Digitaler Tacho und Drehzahlmesser, Anzeigen für Benzinstand, Benzinverbrauch, Kühlmitteltemperatur, Uhrzeit. H4-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrleuchten, LED-Rück- und Bremslicht.

Preis: 7.995,- Euro + NK (285,-)

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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