Godier-Genoud Egli-Kawa 900

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Diese Egli-Kawasaki 900 ist nicht nur Endurance-typisch auf klassische Weise schön, sondern auch tatsächlich etwas Besonderes. George Godier und Alain Genoud stellten damit 1974 die Szene ganz schön auf den Kopf und trumpften fast nach Belieben auf. Das Duo gewann 5 von 6 Rennen zur damaligen Langstrecken-Meisterschaft: Die 24 H von Oss (in NL) und in Barcelona, ein 6 H-Event in Heerlen, die 1000 km in Mettet (B) und den Bol d´Or in Le Mans. Dazu kam noch ein zweiter Platz bei den 24 H in Spa-Francorchamps.

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Historisch gesehen lässt sich der gelbe Bolide als Zwischenlösung einordnen. Im Jahr zuvor setzten der Franzose Georges Godier und der Schweizer Alain Genoud mit dem Egli-Racing-Team eine Egli-Honda mit 750er Four-Triebwerk ein. In der anschließenden Saison packte das Duo mit den später legendären Godier-Genoud-Kawas mit dem von Hochschulprofessor Pierre Doncques gezeichneten Monoshock-Chassis noch eins drauf. Diese dann grün lackierten 1000er Renner waren vom Konzept wie in Details nochmals konsequenter auf Endurance-Belange und Zeitersparnis bei Boxenstopps ausgelegt.

Gesichtet haben wir die gelbe Egli-Kawasaki 900 Z1 beim Hammerstatt-Revival in Villingen-Schwennigen im Oktober. Diese Maschine wurde mit einem Reserverahmen des Egli-Teams aufgebaut, alle wesentlichen Teile wurden über Alain Genoud bezogen. Roland Lenden, bekannter Classic-Bike-Spezialist, hat dem Motor noch eine Frischkur verpasst. Nicht orginal ist die verbaute Egli-Gabel mit dem integrierten Stabilisator (die gab es 1974 noch nicht von Egli); damals war eine Ceriani verbaut.

Aber bei dem einen oder anderen Detail der Orginalität auf den Grund zu gehen, führt sicher zu weit. Die orginale Rennmaschine jener Jahre steht in Japan im Kawasaki-Museum, ob weitere damals aufgebaute Exemplare existieren, ist zumindest dem Salat nicht bekannt. Es reicht hoffentlich zu wissen, dass Alain Genoud, als er diese Maschine in Spa bei den Bikers Classics entdeckte und nach all den Jahren in Augenschein nahm, ehrlich begeistert und fast den Tränen nahe war.

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Das gelbe, extrem seltene Endurance-Juwel mit dem Egli-Zentralrohrrahmen wurde eine Weile bei VFV-Events bewegt und gehört heute Reinhold und Gerd Lehmann. Zuvor war es in Besitz von Uwe Gürk, einem Gespann-Rennfahrer, der dieses Jahr (also 2015) den IDM-Meistertitel auf drei Rädern gewann. Dem Lehmann-Duo (Vater und Sohn) aus dem Markgräflerland (im Südwesten Deutschlands; grenzt an Frankreich und an die Schweiz) gehören noch ein paar andere Motorradschätze, deswegen kommt die kostbare Kawa eher selten zum Einsatz; beim Hammerstatt-Revival wurde sie von Franky Laabs bewegt, einem befreundeten Mechaniker.

Auch wenn im Rückspiegel betrachtet alles über 40 Jahre her ist, lässt sich trotzdem festhalten: Diese gelbe Egli-Endurance-Teil war das erste Bollwerk von Kawasaki gegen den Giganten Honda, weil die Rennerfolge der 900er Z1 am Markt halfen, gegen die CB 750 Four und das Flügel-Imperium Boden gut zu machen. Die Kawa war stark, schnell und zuverlässig – diese Message sprach sich herum.

Godier/Genoud leisteten echte Pionierarbeit im Langstreckensport: Sie waren die ersten, die mit speziellen Rahmen um japanische Motoren antraten, ein Trend, der sich ausbreiten und über 20 Jahre anhalten sollte, bis Suzuki Mitte der 90er mit der ersten GSX-R 750 mit Alurahmen aufkreuzte. Sie waren mit die Ersten, die mit Schnelltankanlagen (statt Kanister und Kannen) hantierten, Motoröl ratzfatz mit einer riesigen Spritze auffüllten und sich über schnelle Bremsbelagwechsel bei den Boxenstopps den Kopf zerbrachen, ebenso wie über guten Windschutz hinter der Verkleidung oder eine möglichst komfortable Sitzposition. Denn, nicht vergessen, damals wurde noch zu zweit einmal rund um die Uhr angegast, nicht wie heute zu dritt.

Godier/Genoud waren auch die ersten Profis der Endurance-Sportszene. Eigentlich sollte es mit Honda nach 1973 weiter gehen. Weil jedoch keine Unterstützung zu erhalten war, erfolgte der Wechsel zu Kawasaki. Der damalige französische Importeur Sidemn, der Boss hiess Xavier Maugendre, hatte den richtigen Riecher und griff dem Duo unter die Arme. Folge: Godier musste seinen Lebensunterhalt nicht mehr als Mechaniker beim Schweizer Norton-Importeur und Genoud nicht mehr als Kellner und Barmann verdienen, sondern die beiden konzentrierten sich voll und ganz auf die Rennerei. Mit eine Rolle spielte dabei ein gewisser Serge Rosset, der ein Rennen in Le Mans als Zuschauer verfolgt hatte und sich wunderte, wieso die Zwei fast ohne Aufkleber auf der Verkleidung im Kreis fuhren; also stiess der Mann aus der Banker-Szene dazu und kümmerte sich fortan um die kommerziellen Aspekte im Team.

GG-Schild

Ab 1975, als die GG-Truppe mit komplett neu aufgebauten Motorrädern und in Grün auftrat, trug dann auch Kawasaki Japan zum nochmals aufgestockten Budget mit bei. Jahre später, als Godier/Genoud Kawasaki-Händler wurden, mit dem Rennsport aufhörten und stattdessen sehr erfolgreich GG-Replicas ihrer grünen Raketen verkauften, führte Rosset die Rennaktivitäten Kawasakis mit seiner eigenen Rennsportfirma ROC (Racing Organisation Course) weiter, holte 1981 und 1982 für Kawasaki die Langstrecken-WM-Titel und betätigte sich anschließend noch viele Jahre im GP-Sport.

Honda tauchte 1976 mit der famosen RCB-Honda und echtem Werkseinsatz in der Langstrecken-Szene auf, eben um der grünen Erfolgsserie der superben GG-Kawasakis ein Ende zu setzen, was ja auch gelang. Zwei weitere Jahre leisteten die Kawa-Boys noch Widerstand, dann zogen sie sich zurück. Fast könnte man sagen: Hätte Honda Godier/Genoud 1974 unterstützt, wären später jahrelange Werks-Einsätze nicht notwendig gewesen, um die Endurance-Bastion von den Grünen zurück zu erobern. Allerdings wären der Welt etliche  aufregende Endurance-Jahre entgangen und wir könnten heute keine gelbe Godier-Genoud Kawa bestaunen, wenn man so will, die Großmutter aller modernen Endurance-Boliden, ein bißchen zumindest.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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