Honda CRF1000L Africa Twin: Info-Nachschlag

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Wenn Honda ein komplett neues Motorrad bringt, noch dazu einen Nachfolger für die einst vielgeliebte bis legendäre Africa Twin, gibt es viel zu erzählen. Im Juli gab es erste Techno-Happen und Einblicke, jetzt folgt die zweite offizielle Info-Welle mit allen Daten und einer Fülle interessanter Details. Die komplette Honda-Doku erstreckt sich über 17 Seiten, wir komprimieren hier alles Wissenswerte, so gut es halt geht.

 

Die neue Afro-Queen

15 Jahre nach der ersten Africa Twin rollt endlich der Nachfolger an: Hondas neue Africa Twin mit 1000er Parallel-Twin verknüpft Touring-Komfort und Offroad-Qualitäten mit Alltagstauglichkeit und agilem Handling. Bis Ende Dezember 2015 soll die Neue bei den Händlern eintreffen, die Preise beginnen bei 12.100 Euro. Angeboten werden drei Versionen: Das Standardmodell für Puristen ohne ABS und ohne elektronische Fahrhilfen. Wer moderne Assistenzsysteme wünscht, ordert die CRF1000L mit ABS und Traktionskontrolle. Das »Honda Selectable Torque Control« System (HSTC) offeriert vier Setup-Einstellungen (Level 1, 2, 3 und Aus) für die Traction-Control. Das ABS am Hinterrad ist abschaltbar, damit das Rad offroad blockiert werden kann. Die dritte Variante kommt vollausgestattet mit DCT-Doppelkupplungsgetriebe, HSTC-Traktionskontrolle und (abschaltbarem) ABS.

Das Viertakt-Herz glänzt wie ein V-Twin mit pulsierender Laufkultur, linearer Leistungsabgabe und guter Traktion, weil die Kurbelwelle mit einer 270-Grad-Kröpfung versehen ist. Für die Zylinderköpfe wurde auf die platzsparende Vierventil-Unicam-Bauweise (wie bei CRF-Crossern und VFR1200) zurückgegriffen (nur eine Nockenwelle, statt zwei bei DOHC-Bauweise). Zwei Ausgleichswellen halten Vibrationen im Zaum.

 

Die Africa Twin soll Asphalt ebenso können wie Offroad. Ein neukonstruierter Stahlrahmen bringt Stabilität und Agilität unter einen Hut. Die Speichenräder messen vorne 21 Zoll und hinten 18 Zoll. Das Fahrwerk mit Showa-Upside-Down-Gabel und Pro-Link-Aluschwinge ist voll einstellbar.

Das Verkleidungs-Bodywork ist knapp geschnitten. Zu aufrechter Sitzposition gibt´s ausreichend Wetterschutz , ohne den Fahrer übermäßig zu isolieren. Die Sitzhöhe lässt sich variabel über einen Bereich von 20 mm einstellen, von 850 bis 870 mm. Ein 18,8 Liter-Benzintank soll für Reichweiten über 400 Kilometer sorgen. Den Verbrauch gibt Honda im WMTC-Messmodus an – ein Liter reicht dann 21,8 km weit, mit DCT sogar.

 

Beim Doppelkupplungsgetriebe bleibt es im MT-Fahrmodus (Manual Transmission) dem Fahrer überlassen, die Gangwahl manuell über Drucktasten am Lenker vorzunehmen. Im AT-Fahrmodus, in dem das System automatisiert die Gänge auswählt, einlegt und wechselt, kann zwischen zwei Gangstufen (D und S) vorgewählt werden. D stellt einen Kompromiss aus Allround-Fahrweise und günstigem Benzinverbrauch dar. Beim S-Modus für automatisiert sportliche Fahrweise stehen drei Wahlmöglichkeiten offen: S1, S2 und S3.

Für Offroad-Einsätze wurde das DCT speziell abgestimmt. Am rechten Lenkerende ist dafür eine G-Drucktaste hinzugefügt, deren Aktivierung in jedem Riding Mode Traktion, Schlupfverhalten und Gangwechsel-Steuerung für Offroad-Erfordernisse optimiert. Auch Auf- und Abfahrten der Maschine werden erkannt und berücksichtigt, um dem Fahrer die Kontrolle zu erleichtern.

Motortechnik

Der neue Paralleltwin leistet 95 PS (70 kW) bei 7.500 Touren, das maximale Drehmoment beträgt 98 Nm bei 6.000/min. Das Motorgehäuse für Modelle mit 6-Gang-Schaltgetriebe bzw. Doppelkupplung ist identisch, lediglich die seitlichen Deckel mit den DCT-Steuerelementen sind unterschiedlich ausgeführt. Der kompakte 1000er Paralleltwin fällt in der Baulänge so kurz aus wie ein CBR500R-Motor und wiegt lediglich 67,5 kg

Der Motor weist eine Semi-Trockensumpfschmierung auf. Erstmals bei einer Honda ist der Öltank dabei direkt im unteren Teil des (vertikal geteilten) Gehäuses platziert. Die Ölwanne fällt somit flach aus, was eine geringe Bauhöhe gestattet. Die Ölpumpe sitzt im Öltank, dadurch entfallen Leitungen für Zu- und Abgang des Schmiermittels. Die Wasserpumpe wurde in die Kupplung integriert (ein Novum bei einem Motorradmotor), der Thermostat findet im Zylinderkopf Platz.

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Die Gemischaufbereitung erfolgt über eine PGM-FI Kraftstoffeinspritzung. Die Einlassventile messen 36,5 mm im Durchmesser und die Auslassventile 31 mm. Doppelzündung mit je zwei Zündkerzen pro Brennraum und sequentielle Zündung sorgen für effiziente Verbrennung. Das Verdichtungsverhältnis beträgt 10:1.

Auf Grund der 270 Grad-Kurbelwellen-Kröpfung pulsiert und tönt der Parallel-Twin wie ein V-Twin. Vibrationen zweiter Ordnung werden über die gegenläufigen Kolben in den Zylindern aufgefangen, die Absorbtion primärer Vibrationen besorgen zwei Ausgleichwellen im Motorgehäuse. Die vordere Balancerwelle rotiert mit einem Ausgleichsgewicht, die hintere mit zwei Gewichten. Der Alu-Kupplungskorb löst die Druckplatte über eine spezielle Konstruktion aus, um gefühlvolle Schalthebel-Betätigung zu unterstützen. Eine Anti-Hopping-Funktion erlaubt sportliches Herunterschalten ohne Stempeln des Hinterrads.

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Bohrung und Hub betragen 92 x 75,1 mm. Form und Festigkeit der Kolben wurden mittels CAE-Berechnungen optimiert; die Kolbenhemden mit einer reibungsmindernden Beschichtung versehen. Ebenfalls beschichtet sind die Kolbenbolzen, dazu wurden die Pleuel mit einem Spezialverfahren (Palphos M1-A) veredelt.

Beim Auspuff soll eigens patentiertes Sound-Engineering eine wohltuende Klangkulisse sicherstellen. Die zweite Expansionskammer unterstützt den Pulsieren des Twins bei hohen Drehzahlen, während eine dritte Kammer den tieftonigen Schlag des großvolumigen Zweizylinders akzentuiert.

Chassis

Das Trockengewicht der Africa Twin in der Standardversion beträgt 208 kg, fahrfertig vollgetankt mit 18,8 Litern Benzin werden daraus 228 kg, wobei die Vorderrad/Hinterradlast zu 48,9 bzw. 51,1 % verteilt ist. Der Heckrahmen ist auf eine Gepäckzuladung von 30 Kilo ausgelegt. Der Wendekreis von 2,5 Metern hilft im Stadtverkehr wie auf engen Offroad-Passagen. Vorteilhaft wirken sich schlanke Dimensionen der Fahrzeugtaille aus, die eine angenehme Sitzposition und genug Bewegungsfreiheit bei stehender Offroad-Fahrweise zur Folge haben.

 

Die 45 mm Showa-Upside-Down-Gabel bietet 230 mm Federweg und ist auf Allround-Ansprüche abgestimmt. Zusätzlich erlaubt die Gabel Einstellungen an Federvorspannung, Dämpferzug- und Druckstufe. Die obere Gabelbrücke ist aus Aluminium gefertigt, die untere aus Gussmaterial und der Lenkschaft aus hohlem Aluminiumrohr. Die Klemmung beider Brücken wird über Doppelverschraubungen bewerkstelligt. Dank gewichtsparender Maßnahmen (hohle Bauteile/dünnere Wandstärken) wiegt die USD-Gabel mit Brücken 860 Gramm weniger als die 43mm-Gabel (in klassischer Rightside-Up-Bauart) der alten XRV 750 Africa Twin.

Der Hinterrad-Stoßdämpfer bietet 220 mm Federweg. Die Federvorspannung ist über ein Handrad einstellbar, dazu lassen sich Zug- und Druckstufen-Dämpfung anpassen. Für die Pro-Link-Hebeleien wird geschmiedetes Aluminium verwendet. Die Schwinge ist über zwei hohlgebohrte 17 mm-Schrauben befestigt, jeweils rechts und links am Rahmen als auch mit der Motorgehäuse-Rückseite.

 

Die trapezförmige Aluminium-Gußschwinge ist rechtsseitig ausgespart, um Raum für die Auspuffanlage zu schaffen. Eine enge Rohrführung soll ausreichend Schräglagenfreiheit gewährleisten. Beide Radachsen (mit 20 mm Ø) sind hohlgebohrt. Das Vorderrad ist herkömmlich eingespeicht. Die Speichen im Hinterrad zur linken Seite der Nabe sind tangential versetzt, die zur rechten Nabenseite verlaufen gerade. Diese Anordnung soll die Steifigkeit verbessern. Montiert sind Dunlop-Enduro-Reifen mit Schlauch in den Dimensionen 90/90-21 und 150/70-18.

Neu sind zweiteilige Nissin-Vierkolben-Bremssättel mit Sintermetall-Belägen, die radial mit den Gabelfüßen verschraubt sind und auf 310 mm große Wave-Bremsscheiben (schwimmend gelagert) zugreifen. Konstruktive Besonderheit: die Beläge werden nicht mit üblichen Bremsbelagstiften über den Halteblechen fixiert , sondern über einen zentralen Querbügel. Erwähnenswert auch: Die Adapter für die Bremsscheiben sind erstmals bei einer Serien-Honda aus Aluminium gefertigt.

Ausstattung

Doppelscheinwerfer schmücken die Enduro (wie bei der ersten Africa Twin), jedoch mit LED-Lichttechnik. Das Tagfahrlicht mit einem auffälligen Twin-Ring-Lichtbogen soll dazu beitragen, dass schusselige Dosenlenker die schmale Motorrad-Silhouette nicht übersehen.

Das Dashboard stellt die Infos ähnlich dar wie bei Rallye-Bikes. Der obere LCD-Display zeigt Fahrgeschwindigkeit, Drehzahl und Tankinhalt an. Im unteren Bereich finden sich Uhrzeit, Gangstufe, gewählter HSTC-Modus, Kilometerzähler und Tripmeter. Über eine Drucktaste am Lenker links lassen sich die gewünschten Infos aufrufen. Bei Maschinen mit DCT-Getriebe werden zusätzliche Infos zu D– und S-Modus sowie zum Offroad-G-Setup dargestellt.

 

Die Schaltereinheiten wurden überarbeitet. Auch der Schalter für die HSTC Traction Control ist linksseitig angeordnet, jedoch näher an die Armatur herangerückt. Die rechte Armaturenseite nimmt den Elektrostarterknopf und den Schalter für die Warnblinkanlagen-Funktion der Blinker auf. Die Blinker der Standard-Variante sind mit Glühbirnen versehen, die Blinker der umfassender ausgestatteten Bikes mit LED-Technik.

Ein konifizierter Aluminium-Lenker aus einer neuen Legierung (ZK80-T76) ist 50 % leichter als ein vergleichbarer Lenker aus Stahl – und stabiler dazu. Die Lenkerklemmen sind über Gummielemente befestigt, um Vibrationen speziell bei Offroad-Einsätzen zu minimieren. Solide Handprotektoren aus Kunststoff sind serienmäßig montiert.

Farben

Die CRF1000L Africa Twin wird in vier Farben angeboten: Rot, Weiß, Silber, Schwarz. Im Honda-Speak heisst das dann: CRF Rally, Africa Twin Tricolor, Digital Silver Metallic, Matte Ballistic Black Metallic.

Die Farbvariante CRF Rally übernimmt den roten Look (Extreme Red/Victory Red Stripes) der CRF-Wüstenrenner. Das Tricolor-Weiß-Blau-Rot ist eine Hommage an die Lackierung der ersten Africa Twin; Lenker und Felgen sind gold dazu.

 

Zubehör

Orginal Honda Zubehör gibt es für die Honda CRF1000L Africa Twin natürlich auch, unter anderem Heizgriffe, Packtaschen, Topcase, getönte Windscheibe, höhere/breitere Windscheibe, zusätzliche Fahrtwindabweiser, Beifahrer-Komfort-Zubehör, DCT-Fußschalthebel, 12 Volt-Bordsteckdose, Nebel-Zusatzscheinwerfer plus Schutzbügel, Felgendekor und Alarmanlage.

 

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Qualität & Feeling

Eigentlich steht das Folgende ganz am Anfang der Honda-Information, wir haben es für den Schluss aufgespart:

Zitat: »Bei der Entwicklung der CRF1000L Africa Twin hatten alle Beteiligten stets auch die frühere Honda XRV750 Africa Twin im Hinterkopf, deren Qualitäten bis heute eine positive Aura umgibt…….. Selbst wenn keine Bauteile des Vorgängers für die neue Konstruktion übernommen wurden, der typische Africa Twin-Spirit ist mit an Bord. Das beruhigende Feeling, qualitativ die denkbar beste Wahl getroffen zu haben, fährt auf der CRF1000L wie selbstverständlich mit – auch wenn es dafür keine Ersatzteilnummer gibt.«

 

Technische Daten

MOTOR
Typ Flüssigkeitsgekühlt, Parallel-Zweizylinder- Viertakt, 8 Ventile, Uni-Cam, 270° Kurbelwelle
Hubraum 998 cm3
Bohrung x Hub 92 x 75,1 mm
Verdichtung 10:1
Max. Leistung 70 kW (95 PS) bei 7.500/min (95/1/EC)
Max. Drehmoment 98 Nm bei 6.000/min (95/1/EC)
KRAFTSTOFFSYSTEM
Gemischaufbereitung PGM-FI Kraftstoffeinspritzung
Tankinhalt 18,8 Liter
Verbrauch MT: 21,7 km/l (WMTC)
DCT: 21,8 km/l (WMTC)
KRAFTÜBERTRAGUNG
Kupplung MT: Mehrscheibenkupplung im Ölbad, mit Anti-Hopping-Funktion

DCT: zwei Mehrscheibenkupplungen im Ölbad, elektro-hydraulisch betätigt

Getriebe 6 Gänge / DCT mit Onroad/Offroad-Modi
Endabtrieb O-Ring-Kette
Traktionskontrolle* (HSTC) 3 Stufen + abschaltbares Hinterrad-ABS (*bei ABS-/DCT-Modellen, nicht STD)
RAHMEN
Typ Stahl-Unterzugrahmen, unten offen
CHASSIS
Abmessungen (L´B´H) 2.335 x 875 x 1.475 mm (STD), 2.335 x 930 x 1.475 mm (ABS/DCT)
Radstand 1.575 mm
Sitzhöhe (normal/tief) 870/850 mm
Bodenfreiheit 250 mm
Gewicht leer 208 kg (STD), 212 kg (ABS), 222 kg (DCT)
Gewicht vollgetankt 228 kg (STD), 232 kg (ABS), 242 (DCT)
Wendekreis 2,5 m
RADAUFHÄNGUNG
Federung vorne Showa 45 mm Cartridge Upside-Down Telegabel, Federvorspannung, Zugstufen- und Druckstufen-Dämpfung einstellbar, Federweg 230 mm
Federung hinten Aluminiumschwinge, Pro-Link Hebelumlenkung, Gasdruckdämpfer, Federvorspannung über Handrad einstellbar, Zugstufen- und Druckstufen-Dämpfung einstellbar, Federweg 220 mm
RÄDER
Vorne Speichenrad mit Aluminiumfelgenbett
Hinten Speichenrad mit Aluminiumfelgenbett
Felgengröße vorne 21 MC x MT2.15
Felgengröße hinten 18 MC x MT4.00
Reifengröße vorne 90/90-R21, mit Schlauch
Reifengröße hinten 150/70-R18, mit Schlauch
BREMSEN
ABS Bauart ABS & DCT-Modell mit 2-Kanal-ABS, Hinterrad-ABS abschaltbar / STD ohne ABS
Vorne 310 mm Wave-Doppelscheibenbremse, hydraulisch betätigt, Radial-Vierkolben-Bremszange, Sinterbremsbeläge
Hinten 256 mm Wave-Scheibenbremse, hydraulisch betätigt, Einkolben-Bremszange, Sinterbremsbeläge, DCT plus Parkbremse
INSTRUMENTE & ELEKTRIK
Instrumente Rally-Style-LCD-Display mit Tacho, Drehzahlmesser, Benzinuhr, Ganganzeige, Zeituhr, km-Zähler, Tages-km-Zähler und Kontroll-Leuchten
Scheinwerfer Dual-LED (Abblend-/Fernlicht)
Rücklicht LED
Blinker ABS/DCT: LED (STD mit Glühbirne)

 

Fotos: Honda

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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