Lukas, der Funkensprüher

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Lukas eingangs der Kurve: Die Funken rühren nicht vom Knieschleifer her (der ist aus Holz), sondern vom Ellenbogen-Titanpad….

Der Yamaha Cup ist keine verträumte Schule für Gasgriff-Philosophen, sondern ein gnadenloses Haifischbecken, in dem sich jene Talente durchsetzen, die auch das Zeug haben, später einmal zu den Namhaften und Arrivierten zu zählen. Beispiele: Lukas Trautmann, Cupsieger 2014, Marko Nekvasil, Vize 2012, Jesco Raffin, Cupsieger 2011 und, last but not least, Markus Reiterberger, Cupsieger 2010.

Lukas Tulovic fährt seine erste Yamaha-Cup Saison und rangiert derzeit auf Rang 3 in der Punktetabelle. Cup-Champion kann er nicht mehr werden, das machen beim Finale in Hockenheim Manou Antweiler und Maurice Ullrich unter sich aus.

Lukas Tulovic, 15 Jahre, R6-Cup-Yamaha: Daheim fährt er Mofa.

Immerhin hat Tulovic, der zuvor im ADAC Junior Cup mit einer KTM RC390 unterwegs war, mit der gut dreimal stärkeren R6 in Ungarn und Oschersleben gewonnen, war einmal Zweiter (Assen) und zweimal Dritter (Lausitz und Nürburgring). Zolder musste er auslassen, weil zu jung; in Schleiz lockerte sich ein Lenkerstummel, was in Führung liegend zur Aufgabe zwang.

Darum geht´s: Früh aufrichten, hart beschleunigen, möglichst viel Speed auf die Gerade mitnehmen.

Was bei Lukas ins Auge sticht, ist sein Fahrstil. Wenn er zornig in die Ecken sticht, raspeln Knie- und Ellenbogenschleifer nur eingangs der Kurve am Asphalt. Am Scheitelpunkt richtet er das Motorrad bereits wieder auf, um die Reifenaufstandsfläche zu vergrößern und so früh und so hart wie möglich zu beschleunigen. Derart konsequent sieht man das eigentlich sonst nur bei den MotoGP-Göttern.

In Oschersleben letztes WE gelang uns ein funkensprühendes Foto von Lukas. Das Interessante daran: Die Funken stammen nicht vom Knieschleifer, denn der ist aus Holz, sondern vom Ellenbogen-Schleifpad. Also stiefelten wir neugierig ins Tulovic-Camp, um den Youngster mit ein paar Fragen zu behelligen.

 

Stellst Dich bitte selbst vor?

»Ich bin Lukas Tulovic, 15 Jahre alt und komme aus Eberbach in der Nähe von Mannheim. Bis Hockenheim sind es nur 50 km. Ich gehe aufs Gymnasium, derzeit in der 10. Klasse. Motorrad fahre ich seit 2006. Angefangen habe ich als Sechsjähriger mit einem Pocketbike, nach vier Jahren ging es bei den Minibikes weiter. Ich bin gleich Europameister geworden, danach folgten zwei Jahre ADAC Junior Cup. Jetzt bin ich im Yamaha-Cup unterwegs und es läuft ganz gut.«

Was war der Auslöser?

»Mein Vater Branco ist früher Seriensportrennen gefahren, mit einer 1000er Suzuki. Da war ich oft dabei, wollte auch mal fahren und dafür wurde dann ein Pocketbike angeschafft. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass wir in die Meisterschaft eingestiegen sind.«

Dein Fahrstil ist recht auffällig, wie kam es dazu?

»Ich schaue oft MotoGP- und Moto2-Rennen an, die fahren auch in die Kurve rein, richten früh auf und gehen ans Gas. Eigentlich ist das die einzige Möglichkeit, um schnell zu sein. Im Junior-Cup hat man nicht so viel Leistung, um aus den Kurven heraus zu schiessen, da nimmt man mehr Schwung mit. Aber jetzt, mit über 120 PS, macht das schon Sinn.«

Wann hast mit dem Ellenbogenschleifen angefangen?

»Beim Minibike schon. Aber so richtig erst dieses Jahr. Beim Minibike war es mehr Showeffekt, im Juniorcup auch. Jetzt beim R6-Cup ist das schon eher normal.«

Und wenn Du keine Motorradrennen fährst….?

»Ich gehe ins Fitnessstudio, habe einen Trainer, Jens Staudemaier, der hat früher mit Sebastian Vettel trainiert, ist also sehr erfahren; dann gehe ich noch Laufen, Fußball spielen, Mountainbike-Fahren, als Ausgleich und für die Ausdauer. Wenn es in der Schule viel zu tun gibt, muss ich lernen. Ich habe drei Fremdsprachen, Französisch, Englisch, Spanisch, das ist ganz schön anstrengend. Aber man muss ja auch einen Plan B haben, wenn es mit der Rennkarriere nicht klappt. Dafür braucht es eine gute Ausbildung, um später nicht blöd dazustehen.«

Wie weit soll das gehen mit Dir, idealerweise?

»Mein Fernziel ist die Moto2-WM. Ideen für nächstes Jahr gibt es schon, nach Hockenheim schauen wir weiter. Die Supersportklasse wäre der nächste normale Schritt.«

Euer Teamname lautet ST One. Was steckt dahinter?

»Mein Mechaniker Christian heisst Seidel mit Nachnamen. Also haben wir uns letzten Winter aus Seidel und Tulovic das ST One Racing Team ausgedacht.«

 

03 Tulovic

Fotos: Buenos Dias

About Author

Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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