Hall of Wheelies – der doppelte Dario

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Dario Giuseppetti, einhändig besonders wertvoll, IDM Nürburgring 2011. Foto: Buenos Dias

Dario Giuseppetti und die rote Desmo-Diva, Haltungsnote 1, IDM Nürburgring 2009. Foto: Buenos Dias

Es gibt da diese Stelle am Nürburgring, an der die Fahrer sich gerne zu Killer-Wheelies hinreißen lassen, natürlich nur nach dem Training oder nach dem Rennen, weil Wheelies bekanntlich Zeit kosten; es geht ja immer ums letzte Zehntel, also um alles.

Diese Stelle ist die Gerade nach der engen Rechts ausgangs der Mercedes-Arena. Wenn man innen steht (also eigentlich außen, mit der Tribüne im Rücken) braucht man ein langes und lichtstarkes Tele-Kanonenrohrobjektiv, sagen wir mit 500 mm Brennweite, woraus mit dem Umrechnungsfaktor des Bildsensors knappe 700 Millimeter werden; da braucht man dann schon ein halbwegs gutes Auge, ein bißchen Glück und einen schnellen Autofocus an der digitalen Mörderkamera, sonst wird das nichts mit der springenden Schärfe.

Steht man auf der anderen Seite an dieser Stelle, also außen (aber eigentlich innen, also im Infield der Strecke, zwischen zwei Passagen, die hin und wieder zurück führen), dann benötigt man ein Tele mit sagen wir 200 mm, kürzer also, aber immer noch jenseits der Mickymaus-Kategorie. Weil: An dieser Stelle ist mehr Platz, und wenn man den nutzt, fängt man die Wheeliesierenden mehr von der Seite ein als von vorne, was schon einfacher ist, wenn man nicht daneben schiesst beim Mitziehen der Bikes, die ja volle Lotte beschleunigen.

Um die Theorie praktisch zu untermalen habe ich zwei Wheelies mit Dario Giuseppetti aus dem Archiv gesaugt. Einmal von vorne mit der langen Tüte auf der schwarzen Ducati, das war 2011, und einmal mehr seitlich mit der kurzen Optik auf der roten Duc anno 2009.

Dario Giuseppetti zählte viele Jahre zu den Besten. Er gewann den ADAC Junior Cup und feierte fröhlich mit roten Perücken, war Deutscher 125er Meister und Europameister-Vizechampion, strampelte sich ein paar Jahre im GP-Sport ab und startete dann mit dicken Viertaktern durch, erst mit MGM-Yamahas, später folgten eine Handvoll ereignisreicher Jahre mit Hertrampf-Ducatis, mit denen er immer dann gewann, wenn wie am Sachsenring oder in Schleiz viele Kurven ins Spiel kamen. Ein blöder Unfall bei Testfahrten mit Rückenverletzungen im Februar 2013 war dann leider der Anfang vom Ende einer schillernden Karriere.

Der allseits beliebte Berliner mit italienischen Vorfahren ist inzwischen wieder so weit auf dem Damm, dass er hier und da als Instruktor in den Sattel steigt, aber die Fortsetzung der Rennkarriere war bislang eher kein Thema. Dafür engagiert er sich im Team seines Freundes Manuel Hernandez als Betreuer in der spanischen Meisterschaft, was ihm offenbar auch sehr taugt.

Na ja, weil Giuseppetti stets schnell, spektakulär, umgänglich, immer gut drauf und nie eine Mimose war und auch meist ein Herz für Wheelies hatte, sogar einhändig, was echt nur ganz wenige der Allerbesten drauf haben, taugt er mir an genau dieser Nürburgring-Stelle, einmal von links und einmal von rechts, quasi als doppelter Dario in der Hall of Wheelies ehrlich gesagt auch wirklich sehr.

Fotos: Buenos Dias

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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