Interview: Damian Cudlin über die neue R1

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Damian Cudlin, Yamaha R1, Superbike-IDM 2015

Wie hast Dich auf die kommende Saison vorbereitet?

»Wie auf jede andere. Ich versuche fit zu sein und eine ordentliche Kondition zu haben. Ich konnte aber nicht auf dem Motorrad trainieren. Im September letztes Jahr sass ich zum letzten Mal auf einem Bike. Ich bin in Australien viel Dirt-Track und Motocross-Bikes gefahren, aber kein Straßenmotorrad. Natürlich kannst alles Mögliche machen, aber es ist nicht das Gleiche wie ein Bike zu fahren. Ich war beim ersten Test in Spanien definitiv etwas eingerostet. Besonders am ersten Tag fühlte es sich seltsam an, aber am zweiten Tag wurde es bereits besser und normaler. Ich bin sicher, dass zu Saisonbeginn alles passt.«

Wie ist es zum Vertrag mit dem MGM Yamaha Deutschland-Team gekommen?

In den letzten Jahren unterschrieb ich meine Verträge immer erst in letzter Minute. Diesmal geschah es ziemlich früh, im Oktober/November. Teamchef Michael Galinski hat mich angerufen und mir ein Angebot unterbreitet. Ich fand, dass dieser Vertrag alles bietet was ich in den letzten Jahren vermisst hatte. Ich kann ein konkurrenzfähiges Bike in einem professionellen Team fahren, verfüge dazu über ein Öhlins-Fahrwerk, Motec-Elektronik und Pirelli-Reifen. Ich bin lange genug in diesem Sport, um zu wissen, dass man nicht allein gewinnt. Wenn nicht alles auf Top-Niveau ist, kannst auch nicht gewinnen. Für mich ist es das beste Paket, das ich mir wünschen konnte, also fiel es leicht, das Angebot anzunehmen.«

Damian Cudlin, Yamaha R1, Test Alcarras 2015

Wie war dein erster Eindruck der Yamaha R1?

Das Bike hat auf jeden Fall viel Potential. Es ist anders als andere Serienbikes, die ich zuvor gefahren bin; das waren ja einige. Ich bin in der MotoGP gefahren und ich würde sagen, dass die R1 das Serienbike ist, das vom Gefühl her am nächsten an die MotoGP herankommt. Das ist inspirierend und ermutigend. Jetzt liegt es an mir: Ich muss mich auf dem Bike wohlfühlen und ich nutze alle Tests, mich einzugewöhnen und mit allen Leuten im Team zu arbeiten. Sie müssen lernen, wie ich arbeite und ich muss herausfinden, wie sie arbeiten. Aber wir haben genügend Zeit und viele Tests. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, bin ich zuversichtlich, dass wir beim ersten Rennen konkurrenzfähig sein können.

Dein Ziel 2015?

Zu gewinnen, wie immer. Aber dieses Jahr habe ich das Gefühl, dass ich auch das Paket dafür habe. Es liegt also an mir. Einer der stärksten Konkurrenten wird Teamkollege Max Neukirchner, denn er fährt stark und ist bereits  schnell mit der R1 unterwegs. Das ist grundsätzlich gut, weil dann pusht man sich sich gegenseitig. Keiner zweifelt am Paket, wenn beide Fahrer schnell sind. Er ist dazu ein netter Typ, wir kommen gut zurecht.

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Damian Cudlin, Yamaha R1, Test Alcarras 2015

Was passiert bis zum Saisonstart?

Ich werde dieses Jahr wohl eher wie ein Zigeuner leben. Ich habe keinen dauerhaften Wohnsitz in Deutschland, ich werde einfach herumreisen. Der erste Stopp für mich nach den Testfahrten in Spanien war bei meinem Freund Gareth Jones in den Niederlanden, wo ich drei Wochen trainiert habe. Das ist auch nicht weit vom Team entfernt. Ich versuche, Kondition aufzubauen, denn ich war in den Wochen vor den ersten Testfahrten krank und nicht zu 100% fit, also muss ich daran arbeiten.

Wie stark sind die Gegner in diesem Jahr einzuschätzen?

Die Superbike-IDM hat dieses Jahr das konkurrenzfähigste Starterfeld, an das ich mich erinnern kann, viele der Top-Fahrer haben bestes Material. Fores und Lanzi werden auf den Ducati stark sein, auch Max in unserem Team natürlich. Ich erwarte auch, dass Smrz, Reiterberger und Mackels vorne mitmischen. Es gibt zahlreiche gute Fahrer. Es gibt wohl sechs oder sieben, die siegfähig sind.

Wird Max ein guter Teamkollege?

Natürlich. Ich meine, es ist noch ziemlich früh, das zu beurteilen, weil wir zuvor nicht miteinander gearbeitet haben, aber nach zwei Testtagen mit ihm kann ich schon sagen, dass er ein netter Typ und ziemlich entspannt ist. Auch das Team arbeitet offen, also wird es nicht allzu viele Geheimnisse zwischen uns geben. Wenn er etwas findet oder sein Motorrad gut funktioniert, wird mich nichts davon abbringen, seine Einstellungen zu benutzen und das Gleiche gilt für ihn. Wenn ich etwas finde, das gut funktioniert, kann er es auch nutzen. Am Ende wird der beste Fahrer gewinnen und ich werde versuchen, dass ich das bin.

Was ist heuer die größte Herausforderung?

Dass wir ein neues Bike haben. Das ist ein Vorteil, aber auch die größte Herausforderung. Wir haben keine Erfahrung, jede Rennstrecke ist neu für uns. Wir können nicht auf die vorhergehende Saison blicken oder Daten aus dem Vorjahr vergleichen, weil eben alles komplett neu ist. Aber alle wollten ein neues Bike, wir haben uns diese Maschine gewünscht und nun ist sie da und sie ist großartig.

Damian Cudlin, Supersport 600-Meister, Yamaha R6, IDM Finale Hockenheim 2010

Was passiert in der Saison, wenn kein IDM-Rennen ansteht?

Ich werde auf einem Motorrad sitzen, aber nur zu Schulungszwecken und Privatkunden unterrichten, in Deutschland und auch in der Tschechischen Republik Fahrer schulen, so oft wie möglich. Dazwischen und der IDM werde ich auch Endurance-Rennen fahren. Ich bin auf jeden Fall beschäftigt.

Fotos: Yamaha, Buenos Dias

 

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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