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Pernod bitte, aber schnell

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Silverstone GP 1983

Silverstone GP 1983: Bolle (32) siegt mit der Pernod 250 vor Espié (21), Sarron (10), Wimmer (4) und Lavado (5). Foto: Buenos Dias

Zwischen 1981 und 1984 bereicherte ein spezieller Renner die GP-Szene, die Pernod 250. Die Apéritif-Marke aus Frankreich engagierte sich damals im Motocross, im Trial-, Gelände- und Langstreckensport – und auch im Grand-Prix-Sport, zuletzt dann sogar mit diesem kompletten Rennmaschinen-Eigenbau.

Konstrukteur Jean Bidalot hatte eine eher konventionelle Rezeptur auf die Räder gestellt. Der flüssigkeitsgekühlte Zweitakt-Zweizylinder mit Drehschieber-Einlasssteuerung hing quer im Doppelschleifen-Rohrrahmen mit Monoshock-Hinterradfederung. Die Bauzeit der Pastis-Rakete betrug nur 11 Monate.

Das Viertellliter-Bike leistete 65 PS bei 11.500 Touren, hatte erst 34er Dellorto- und später 36er Mikuni-Vergaser und eine 6-Gang-Schaltbox, wog 100 Kilo, hatte Scheibenbremsen rundum und war 236 km schnell.

Die Pernod 250 debütierte beim Assen GP 1981. Dreieinhalb Jahre lang wurde der Stolz der Grande Nation an den Start geschoben, am Gas drehten Thierry Espié, Christian Estrosi und Jean-Francois Baldé, kamen über achtbare Plätze und ein paar Punkte hier und da aber nicht hinaus.

Nur ein einziges Mal passte alles zusammen zum ganz großen Erfolg: 1983 gewann Pierre Bolle mit der Pernod 250 den britischen GP in Silverstone, nach einer aufregenden Winschattenschlacht, vor Espié und Christian Sarron.

 

Pernod ist ein Apéritif, schmeckt nach Anis (genau wie Ricard) und wird mit Wasser verdünnt; eigentlich trinkt unsereins sowas nur unterwegs in Frankreich, dann aber gerne. Ich fand diese Rennmaschine immer schick und farbenfroh; und wenn ich mal »un Pernod s´il vous plaît« ordere, muss ich stets schmunzeln, weil ich an diese Pernod 250 denke und insgeheim für mich den Nachsatz hinzufüge, »aber schnell bitte«.

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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