Meine Zwirbelzange

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1977: Uli mit Bulli, TZ350

Vor verdammt vielen Jahren, als ich noch jung und hübsch war, begleitete ich meinen Freund Uli zum Rennfahren, der im Juniorenpokal eine Yamaha TZ 350 einsetzte und half bei den einfachen Dingen so gut es halt ging. Ich mischte Benzin mit Castrol 747 Zweitaktöl, wechselte Räder und Übersetzungen, schraubte an Verkleidung und Zündkerzen herum.

Am liebsten hantierte ich jedoch mit einem Dingsbums, das sich Zwirbelzange nannte. Damit wurde Sicherungsdraht an wichtigen Verschraubungen des Renners verzwirbelt und nach dem Befestigen abgeknipst. Man musste sorgfältig arbeiten, weil es nicht nur das Risiko gelöster Schrauben durch Vibrationen zu vermeiden galt, es sollte natürlich auch schön aussehen, vor allem, wenn es mehrere Verschraubungen gleichzeitig mit einer Drahtschlaufe zu verarzten galt. Das hat mir getaugt.

Ein halbes Leben später – Uli kam viel zu früh bei einem Flugzeugabsturz ums Leben, die TZ habe ich aus den Augen verloren – habe ich mir auch so eine Zwirbelzange gekauft, die zu meinen Lieblingswerkzeugen zählt, obwohl sie nur selten zum Einsatz kommt. Ich fahre an meiner Honda auf der Straße Griffgummis von ProGrip (Typ 721) , die vorher an einem KTM-Superbike in der IDM montiert waren. Die Griffe sind vergleichsweise weich und verschleißen auch eher als Seriengummis.

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Gasgriff, schön auf Draht.

Um die Griffgummis zusätzlich zu sichern, weil diese nicht verklebt sind (gegen Verdrehen oder Abrutschen, speziell bei Regen) habe ich zwei Drahtschlaufen angebracht, so wie es im Rennsport üblich ist. Dafür kommt dann meine Zange zum Einsatz. Zwei Lagen Sicherungsdraht sauber nebeneinander um das Gummi schlingen, verzwirbeln und beim Abzwicken 5 mm stehen lassen. Dieses Ende außerhalb des Sichtbereiches um 180 Grad rundbiegen und das spitze Ende im Gummi einstecken – dann kann nichts abstehen, woran man mit dem Handschuh hängen bleiben könnte.

Gutes Werkzeug ist etwas Gutes. Zwar kommt meine Zwirbelzange nicht oft zum Einsatz. Aber wenn, dann immer mit Freude. Und dass dabei der eine oder andere Gedanke an früher abschweift, gehört auch mit dazu.

Fotos: Buenos Dias

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Gerhard Rudolph, fährt Honda CB 1300 und am liebsten Jethelm mit dunklem Visier.

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